7 Hacks für Führung in Komplexität

Handfeste Tipps, die Ihre Mitarbeitenden zum Mitdenken bringen und Ihnen das Loslassen leichter machen

Führung im Cynefin Framework nach Dave Snowden

Führung verändert sich. Wer heute ein Team oder eine Organisation leitet, steht selten vor klar planbaren Aufgaben. Fachkräftemangel, wechselnde Anforderungen, neue Erwartungen und ein Team, das mitdenken will: All das lässt sich nicht von oben durchsteuern. Gute Leitung heißt deshalb immer weniger, alles selbst zu entscheiden. Sie heißt, ein Team so zu stärken, dass es tragfähig zusammenarbeitet.

Das Cynefin-Framework macht deutlich, warum das so ist. Viele Arbeitsfelder bewegen sich heute überwiegend im komplexen Bereich, in dem sich Lösungen erst im Handeln zeigen. Die folgenden sieben Hacks beschreiben, wie Führung in Komplexität gelingen kann.

Hack 1: Gestalten Sie den Rahmen, in dem das Team wirkt

Als Leitung tragen Sie viel Verantwortung dafür, dass Ihr Team gut arbeiten kann. Ein großer Teil dieser Verantwortung liegt darin, gute Bedingungen zu schaffen: Zuständigkeiten klären, Abläufe glätten, Hindernisse aus dem Weg räumen. Manches im Alltag löst sich am besten dort, wo es entsteht, nämlich im Team selbst. Sie gewinnen Spielraum, wenn Sie fragen: Was braucht mein Team von mir, damit es diese Situation selbst gut meistert? So bleibt Ihre Kraft für das, was wirklich nur die Leitung gestalten kann.

Hack 2: Nutzen Sie Ihre Wirkung als Leitung als eigene Ressource

Ein Team orientiert sich stark an seiner Leitung, oft in Momenten, die kaum auffallen. Wie Sie mit Druck umgehen, wie Sie in unklaren Lagen reagieren, das gibt dem Team Halt oder überträgt Unruhe. Darin liegt eine große Chance: Wenn Sie in fordernden Situationen Ruhe ausstrahlen, wirkt das weit über den Moment hinaus. Es lohnt sich deshalb, die eigene Wirkung bewusst wahrzunehmen und sie als Führungsinstrument zu nutzen. Und es hilft, klar zu unterscheiden zwischen dem, was zu Ihnen als Mensch gehört, und dem, was Ihre Rolle als Leitung ausmacht.

Hack 3: Kultivieren Sie wahrnehmen und ausprobieren statt vorhersagen und kontrollieren

Vieles lässt sich nicht vorausplanen. Deshalb helfen starre Pläne oft weniger als eine gute Beobachtungsgabe. Ermutigen Sie Ihr Team, Spannungen früh zu benennen, denn jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter spürt im Alltag, wo es hakt. Probieren Sie in kleinen Schritten Neues aus, statt lange auf die eine perfekte Lösung zu warten. Ein Versuch, der scheitern darf, bringt Sie oft weiter als der perfekte Plan.

Hack 4: Stecken Sie den Rahmen und schützen Sie ihn

Selbstständigkeit braucht klare Grenzen, sonst entsteht Unsicherheit. Legen Sie fest, wer was entscheiden darf und wie die wichtigen Abläufe funktionieren. Innerhalb dieses Rahmens genießt Ihr Team größtmögliche Freiheit und kann eigenverantwortlich handeln. Und Sie schützen diesen Raum aktiv: gegen zu hohe Erwartungen von außen, gegen ständige Einmischung, damit Ihr Team konzentriert und selbstständig arbeiten kann.

Hack 5: Lassen Sie Entscheidungen dort, wo das Wissen sitzt

Sie wissen nicht mehr in jeder Frage am besten Bescheid, und das ist gut so. Wer täglich nah an der Aufgabe arbeitet, kennt die Situation oft genauer als jede Leitung. Entscheiden soll deshalb, wer nah dran ist, vorausgesetzt, sie oder er holt vorher Rat bei Erfahrenen und Betroffenen ein. Und dann kommt der schwierige Teil: Halten Sie eine Entscheidung Ihres Teams aus, auch wenn Sie es anders gemacht hätten. Ständiges Nachbessern kostet Vertrauen.

Hack 6: Sehen Sie Führung als Teamsport

Verantwortung muss nicht allein bei einer Person liegen. Verteilen Sie Führungsaufgaben auf verschiedene Rollen im Team. Wer sich in einem Bereich gut auskennt, führt hier. Wer einen anderen überblickt, übernimmt dort. Diese Rollen dürfen wandern, je nachdem, was das Team gerade braucht. So nutzen Sie die vielen Perspektiven in Ihrem Team, statt alle Aufgaben auf Ihren eigenen Schultern zu tragen.

Hack 7: Lassen statt machen!

Vielleicht das Schwerste: die Hände in der Tasche lassen. Wenn ein Kollege mit einem Problem zu Ihnen kommt, übernehmen Sie es nicht sofort selbst. Fragen Sie stattdessen: Was ist dein nächster Schritt? So bleibt die Verantwortung dort, wo sie hingehört. Dahinter steht ein tiefes Vertrauen: Menschen wollen gute Arbeit machen und Verantwortung übernehmen, wenn man sie lässt.


Am Ende steht ein Gedanke, der zunächst überrascht: Die beste Leitung macht sich Stück für Stück ein Stück weit entbehrlich. Nicht, weil sie nicht gebraucht wird, sondern weil sie ein Team aufbaut, das sich selbst trägt. Das ist keine Schwäche. Das ist die anspruchsvollste Form von Führung.

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